Warum ein Rotor?

Warum fliegt HeliCam-HDV nicht mit einem Mehrrotorsystem?

Immer hÀufiger fragen uns Auftraggeber warum wir nicht auch mit den mittlerweile in Mode kommenden zumeist aus China billig importierten Quadro-, Hexa- oder Oktokoptern fliegen.

Ein einfaches Argument:
Sind Sie schon mal in einem Quadrokopter mitgegeflogen? Wir auch nicht! Wieviele manntragende Großhubschrauber gibt es, die lauter kleine Propeller um sich tragen? Uns ist nicht einer bekannt. Z.B. jeder Rettungshubschrauber hat einen großen Hauptrotor und einen Heckrotor. Wir orientieren uns bei unserer Technik an bemannten und bewĂ€hrten FluggerĂ€ten und ĂŒbertragen die Vorteile fĂŒr Sie ins Kleine.

Die Frage warum ein Einrotorsystem sich durchgesetzt hat, ist vielschichtig zu beantworten, obwohl es bei Mehrrotorsystemen auch Vorteile im Handling gibt.
Ein Argument fĂŒr die Mehrrotorsysteme ist naheliegend: Ein Mehrrotorhubschrauber fliegt recht eigenstabil, ein klassischer einrotoriger Hubschrauber tut dies nicht. Die Mehrrotorvariationen sind deshalb vergleichsweise einfach zu beherrschen und man braucht weniger fliegerische Erfahrung und Können zur Umsetzung. Leider verbinden sich mit dieser anfĂ€ngerfreundlichen Flugeigenschaft auch erhebliche Nachteile fĂŒr den Kameraflug:
Abgesehen von der hohen WindanfĂ€lligkeit und des damit unruhigen Kamerabildes gibt es ein Argument, welches fĂŒr die Großfliegerei genauso ausschlaggebend ist wie fĂŒr uns, die Sicherheit im Einsatz und damit die Sicherheit unserer Kunden!

Unter dem Punkt FAQ/Sicherheit haben wir das Thema Training und Sicherheit bereits umrissen. Hierzu aber noch eine ErgÀnzung.
Eine auch von Großhubschraubern regelmĂ€ĂŸig trainierte Notsituation ist die der Autorotation. Dies ist eine Notlandung bei Triebwerksausfall. D.h. der Hubschrauber wird auch ohne Antrieb sicher und kontrolliert zu Boden gebracht. Nur einrotorige Helikopter sind hierzu in der Lage. Kleine Propeller an kleinen Elektromotoren können dies nicht.

Zum Prinzip der Autorotation (z.B. bei Triebwerksausfall)
Ein weit verbreiteter Glaube ist, Flugzeuge und Hubschrauber fallen bei Triebwerksausfall grundsĂ€tzlich wie ein Stein vom Himmel oder sind unkontrollierbar – das ist nicht so. Jedes Flugzeug segelt. Das wohl bekannteste Beispiel einer Notlandung war die erfolgreiche Landung eines Passagierflugzeuges auf dem Hudson River in New York.
Auch ein Hubschrauber kann sanft hinab gleiten.
Bei der Autorotaiton des Hubschraubers wird das GerĂ€t aus dem Flug zum raschen Sinken gebracht. Im Gegensatz zum Normalflug werden die RotorblĂ€tter auf eine ausgeglichene bis leicht negative Einstellung gebracht. Das rasche Sinken des Helikopters beginnt. Wie bei einem Windrad wird der Rotor durch die hindurchströmende Luft beschleunigt. Technisch ausgedrĂŒckt bedeutet dies, man verwandelt durch den Fall aus der Flughöhe (die sog. Lageenergie) in Bewegungsenergie (oder auch kinetische Energie genannt) des Rotors. Ähnlich wie ein Auto bergab auch ohne Motor in Bewegung kommt und zunehmend schneller wegrollt, verwandelt der Pilot die Flughöhe in Rotordrehzahl. Die RotorblĂ€tter beschleunigen hierbei auch ohne Antrieb.

Der Boden kommt also nĂ€her und der Pilot kann den Hubschrauber im Gleitflug wie gewohnt in die gewĂŒnschte Flugrichtung steuern. Wichtig ist nun, dass dem Piloten eine möglichst ebene NotlandeflĂ€che zur VerfĂŒgung steht. Diese Vorkehrung treffen wir daher vor jedem Einsatz. Wo können wir im Zweifel hin. Ist der Landeplatz gefunden, steuert der Pilot in diese Richtung. Im richtigen Moment wird der Anstellwinkel der RotorblĂ€tter wieder auf Schwebeflug gestellt. Der Hubschrauber bremst knapp ĂŒber dem Boden zĂŒgig ab. Da der Rotor nun immer langsamer lĂ€uft und es keine zweite Chance mehr gibt, wird aus den letzten Zentimetern Flughöhe und buchstĂ€blich mit letzter Kraft der Hubschrauber aufgesetzt. Der Helikopter landet je nach Übung des Piloten daher sanft.

Auch wenn, wie bereits erwĂ€hnt, unser regelmĂ€ĂŸig absolviertes Trainingsprogramm, uns solche Situationen trainieren lĂ€sst, sind wir jedoch froh, dass hohe Vorsicht, ausgereifte und erprobte Technik und ĂŒberdurchschnittliche Fachkompetenz uns bisher von solchen Manövern im Einsatz verschont hat.

In diesem Sinne auch mit Blick an alle Mitbewerber: Allzeit guten und sicheren Flug!